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Die Lehre vom Ki

Im Mittelpunkt steht im Aikido die Lehre vom „Ki", von der Entwicklung der geistigen Kraft. 

Ki - die geistige Kraft, unter mehreren Bewußtseinsschichten begraben, zu entdecken und zu entwickeln, ist das eigentliche Ziel des Aikido. Dahinter steht die Einsicht, daß die rein körperliche und technische Entwicklung, auch wenn sie noch so perfekt vervollkommnet wird, letzten Endes unbedeutend ist. Es wird immer wieder Gegner geben, die noch schneller und noch stärker sind. Nur die Entwicklung der geistigen Kraft kann schließlich zu einer Denkweise führen, die frei ist von Aggression und Angst, die damit dann auch die Konfrontation überwindet. Um das in jedem Menschen ruhende Potential an geistiger Kraft, das die Japaner „Ki" nennen, zu entdecken und zu aktivieren, bedarf es langer Übung. Ähnlich wie bei den Zen-Praktiken werden auch im Aikido Körperhaltungen- und Einstellungen trainiert, die diesen Weg erleichtern und fördern sollen, beispielsweise Atemübungen (Kokyu), Konzentration auf den Mittelpunkt (Hara) und bewußte Lockerung verkrampfter Körperpartien. Das Ziel dabei ist, auch hier wieder der Bezug zum Zen, die Gedanken fallen zu lassen und ein Bewußtseinszustand zu entwickeln, der wach und aufmerksam im Moment verwurzelt ist, ohne die üblichen Schatten von Furcht, Sorge und Zweckdenken. 

Nur aus einer solchen Haltung heraus kann diese geistige Kraft wirken. Erst dann ist auch gewährleistet, daß im konkreten Falle eines Angriffs das ganze Potential an geistiger und körperlicher Kraft explosionsartig frei werden kann. Diese Dynamik aber, und das ist wichtig, kommt aus der Ruhe. Nur wenn diese Ruhe da ist, wenn „Ki" ungehindert fließen kann, funktioniert Aikido. Aikido heißt denn auch „der Weg (DO) der Harmonie (AI) mit der geistigen Kraft (KI)". In allen Budo-Arten ist „Ki" ein wichtiges Grundprinzip, aber in keiner spielt es eine dermaßen zentrale Rolle wie im Aikido.

Ohne „Ki" ist Aikido nichts als reine Technik, auch wenn noch so perfekt, und damit seelenlos. Aikido unterscheidet sich von anderen Budo-Arten auch dadurch, daß es nicht den Weg zum Wettkampfsport gegangen ist, mit den damit unvermeidlichen Zugeständnissen an Kommerzialisierung sowie Nützlichkeits- und Konkurenzdenken. Im Aikido gibt es zwar Gürtelprüfungen, aber keineMeisterschaften oder Wettkämpfe.